In den vergangenen drei Jahren sind Hunderte Bürger Tadschikistans in den Krieg Russlands gegen die Ukraine hineingezogen worden – einige freiwillig, viele unter Druck und andere im Austausch gegen Versprechen wie Geld, russische Dokumente oder Begnadigung aus dem Gefängnis.
Unabhängige Quellen gehen davon aus, dass mindestens 1.500 und möglicherweise mehrere tausend Tadschiken auf Seiten Russlands gekämpft haben oder noch kämpfen. Offizielle Zahlen fehlen, doch öffentlich zugängliche Listen zeichnen ein alarmierendes Bild.
Wie viele Tadschiken kämpfen für Russland? – Bestätigte Daten
Mindestens 1.559 Namen in den Listen des Projekts „Хочу жить“ („Ich will leben“)
Das ukrainische Projekt „Ich will leben“, das Informationen über ausländische Kämpfer, Migranten und angeworbene Personen im Dienst der russischen Armee sammelt, dokumentierte:
- 931 Staatsbürger Tadschikistans (Stand: Anfang 2025)
- Im August 2025 wurden weitere 628 Namen veröffentlicht – Tadschiken, die Verträge mit der russischen Armee unterschrieben haben.
Unter Berücksichtigung möglicher Überschneidungen ergibt dies mindestens etwa 1.500 bestätigte Personen, die in den Krieg geschickt wurden.
Todesfälle: zwischen 72 und 446 bestätigten Fällen
- Eine gemeinsame Recherche von BBC Russian Service und Mediazona identifizierte 72 getötete tadschikische Staatsbürger in der Ukraine.
- Nach Angaben des Projekts „Ich will leben“ liegt die Zahl der bestätigten Todesfälle bei mindestens 446 Tadschiken.
Die enorme Differenz zeigt, wie unvollständig die verfügbaren Daten sind – und dass die tatsächliche Zahl wesentlich höher sein könnte.
Wie Tadschiken rekrutiert werden: Migranten, Vertragskämpfer, Häftlinge
Migranten unter Druck
Recherchen des Atlantic Council und der Times of Central Asia belegen, dass tadschikische Arbeitsmigranten in Russland häufig:
- mit Abschiebung bedroht werden,
- Legalisierung oder russische Dokumente versprochen bekommen,
- mit hohen finanziellen Belohnungen gelockt werden,
- unter erzwungenen Unterschriften leiden, oft ohne Sprachkenntnisse.
Einige berichteten, dass sie direkt in Polizeistationen oder Migrationszentren „mobilisiert“ wurden.
Vertragskämpfer und vermeintliche „Freiwillige“
Viele Tadschiken unterschreiben Verträge, weil sie wirtschaftlich abhängig sind oder die russischen Behörden fürchten.
Die meisten erhalten nur minimale Ausbildung, bevor sie an die Front geschickt werden.
Strafgefangene – Russlands neue „Ersatzarmee“
Auch tadschikische Insassen russischer Gefängnisse werden angeworben.
Typische Versprechen:
- vollständige Begnadigung,
- hohe Zahlungen,
- russische Staatsbürgerschaft.
Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen: Viele dieser Häftlinge sterben bereits in den ersten Wochen.
Tadschikische Kriegsgefangene in der Ukraine
Al Jazeera veröffentlichte ein Interview mit einem gefangenen tadschikischen Kämpfer.
Er berichtete über:
- brutale Bedingungen an der Front,
- ethnische Diskriminierung durch russische Soldaten,
- Angst vor einer Rückkehr nach Russland, wo ihm Strafe droht.
Was bleibt unbekannt
Obwohl einige Listen öffentlich sind, gibt es weiterhin große Informationslücken:
- keine Daten zu Verletzten, Vermissten, Deserteuren,
- keine Klarheit über verdeckt mobilisierte Tadschiken,
- viele Familien schweigen aus Angst vor den Behörden,
- Russland und Tadschikistan veröffentlichen keine offiziellen Zahlen.
Experten gehen davon aus, dass die reale Zahl der Tadschiken im Krieg deutlich höher ist als die 1.500 registrierten Fälle.
Warum sterben Tadschiken in einem fremden Krieg?
Die meisten Tadschiken kämpfen nicht aufgrund politischer Überzeugungen, sondern wegen:
- wirtschaftlicher Abhängigkeit von Russland,
- mangelnder Rechte und Schutzlosigkeit der Migranten,
- Druck durch russische Behörden,
- Sprachproblemen und fehlender Rechtskenntnis,
- falscher Versprechen von Geld und Dokumenten.
Das bedeutet:
Tadschiken sterben nicht für ihr Land.
Nicht für ihre Interessen.
Nicht für ihre Sicherheit.
Sie werden zu Verbrauchsmaterial in einem Krieg, der ihnen nicht gehört.
Warnung an tadschikische Migranten: Wie man sich schützt
TajNews wendet sich an alle Bürger Tadschikistans – besonders an Migranten in Russland:
1. Keine Dokumente unterschreiben, die man nicht versteht
Oft tarnen russische Behörden Militärverträge als „Formulare“.
2. Russische Dokumente nicht immer bei sich tragen
Polizisten können dies zur Erpressung nutzen.
3. Meiden Sie Militärkommissariate, „Hilfezentren“, Sammelpunkte
Dort wurden Migranten oft unter Vorwänden festgehalten und eingezogen.
4. Russland verlassen, sobald Gefahr besteht
Ein verlorener Job ist besser als ein verlorenes Leben.
5. Wenn ein Verwandter unter Druck gesetzt wird – Beweise sammeln
Fotos, Videos, Chats, Zeugen können später entscheidend sein.
Fazit: Ein fremder Krieg mit tadschikischen Opfern
Hunderte Tadschiken haben ihr Leben in der Ukraine verloren.
Die meisten waren einfache Arbeitsmigranten, gefangen zwischen Armut und Druck des russischen Systems.
Dieser Krieg hat nichts mit den Interessen Tadschikistans zu tun.
Er bringt dem tadschikischen Volk keinen Nutzen.
Er zerstört Familien, nimmt Leben und macht die Schwächsten zu Kanonenfutter.
Jedes Leben ist wertvoll.
Lassen Sie sich nicht in einen fremden Krieg hineinziehen.
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