Mittwoch, Februar 11, 2026
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Der Tod von Sherik Karomkhudoev wirft Fragen auf: Neue Informationen deuten auf plötzlichen Tod und möglichen Vorteil für die Behörden hin

Dauer: ≈ 0 Min

In der Nacht zum 30. November ist der politische Gefangene Sherik Karomkhudoev in der Strafkolonie Nr. 7 in Duschanbe verstorben. Der aus Chorog stammende frühere Oppositionsaktivist sollte Anfang 2026 entlassen werden. Seine überraschende und ungeklärte Todesursache löst erneut Diskussionen über Misshandlungen, fehlende medizinische Versorgung und systematische Gewalt in tadschikischen Haftanstalten aus.

Radio Free Europe/Radio Liberty: Karomkhudoev hatte keine gesundheitlichen Probleme

Wie Radio Svoboda berichtet, erklärten Angehörige, die ihn zuletzt besucht hatten, dass Karomkhudoev keine ernsthaften gesundheitlichen Beschwerden hatte. Sein Tod kam völlig unerwartet.

Die Journalistin Anora Sarkorova berichtete unter Berufung auf vertrauenswürdige Quellen, dass Karomkhudoev Stunden vor seinem Tod über:

  • starke Schwäche,
  • Übelkeit
  • und Erbrechen

geklagt habe. Die Verwaltung der Kolonie soll ihm trotz dieser Symptome keine medizinische Hilfe geleistet haben.

Die offizielle Todesursache wurde bislang nicht genannt.

Pamir Inside bestätigt Tod und berichtet über frühere Folter

Drei voneinander unabhängige Quellen des Portals Pamir Inside bestätigten ebenfalls seinen Tod und erinnerten daran, dass Karomkhudoev nach seiner Festnahme im Juni 2012 mehr als einen Monat lang im Untersuchungsgefängnis des tadschikischen Geheimdienstes GKNB gefoltert worden sei.

Er verschwand während der sogenannten „Spezialoperation“ in Chorog und tauchte erst Wochen später im Gewahrsam des GKNB wieder auf. Ein Gericht verurteilte ihn 2013 zu 14 Jahren Haft wegen angeblicher Beteiligung an einer „kriminellen Vereinigung“ und illegalem Waffenbesitz – Vorwürfe, die er und seine Familie stets als politisch motiviert bezeichneten.

Wer war Sherik Karomkhudoev?

  • politischer Aktivist aus Chorog
  • Mitglied und Leiter der PIWT-Struktur in Chorog
  • ehemaliger Kämpfer der Vereinigten Opposition während des Bürgerkriegs
  • 2013 zu 14 Jahren Haft verurteilt
  • nach Angaben von Anwälten und Menschenrechtsorganisationen Opfer schwerer Folter

Der sechste politische Gefangene aus GBAO, der 2025 im Gefängnis starb

Im Jahr 2025 starben in tadschikischen Gefängnissen bereits mehrere bekannte politische Häftlinge aus GBAO:

  • Aslon Gulobov (35)
  • Kulmamod Pallaev (50)
  • Eronsho Mamadrakhimov (39)
  • Muzaffar Davlatmirov (61)
  • Bogsho Immatshoev (66)

Auch ein führender Politiker der Islamischen Wiedergeburtspartei, Zubaydullo Rozik, starb im September.

Internationale Organisationen wie Human Rights Watch fordern seit Langem unabhängige Untersuchungen dieser Todesfälle. Die tadschikischen Behörden behaupten, dass alle Gefangenen medizinisch versorgt würden – doch angesichts der fehlenden Transparenz bleibt dies kaum überprüfbar.

War der Tod nicht natürlich? Wachsende Verdachtsmomente

Menschenrechtsaktivisten und Beobachter äußern zunehmend den Verdacht, dass Karomkhudoevs Tod nicht natürlichen Ursprungs sein könnte. Mehrere Faktoren verstärken diese Zweifel:

1. Möglicher Zeuge im Fall vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH)

Oppositionsgruppen und Vertreter der Pamiri-Diaspora haben Beschwerden über:

  • außergerichtliche Tötungen,
  • systematische Folter,
  • kollektive Bestrafung der Bevölkerung in GBAO

beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) eingereicht.

Karomkhudoev hätte als wichtiger Zeuge gelten können. Mögliche Folterspuren an seinem Körper hätten eine bedeutende Rolle in den Ermittlungen gespielt.

2. Einfluss und Führungsqualitäten

Karomkhudoev genoss in seiner Heimatregion hohes Ansehen. Nach Ansicht von Experten könnte seine bevorstehende Freilassung die Regierung dazu veranlasst haben, ihn als potenzielle Bedrohung einzustufen.

3. Systematische Folter in Haftanstalten

Menschenrechtsberichte dokumentieren regelmäßig:

  • Schläge,
  • Elektroschocks,
  • Verbrühungen mit heißem Wasser.

Untersuchungen werden selten eingeleitet, vor allem wegen Korruption, politischer Einflussnahme und fehlender unabhängiger Kontrolle. Tadschikistan erlaubt internationalen Kommissionen keinen freien Zugang zu Haftanstalten, da das Zusatzprotokoll gegen Folter nicht ratifiziert wurde.

Warum könnte sein Tod für die Behörden „vorteilhaft“ gewesen sein?

Laut Pamir Inside zeigen die Sicherheitskräfte seit Jahren, dass sie bereit sind, harte Gewalt gegen einflussreiche Pamiri-Persönlichkeiten einzusetzen – oftmals offen und ohne Angst vor internationalen Konsequenzen.

Der Tod Karomkhudoevs:

  • beseitigt einen möglichen Zeugen für den IStGH,
  • schwächt moralisch die Einwohner von GBAO,
  • verstärkt das Klima der Angst und Abschreckung.

Der Tod von Sherik Karomkhudoev steht im Kontext einer Serie ungeklärter Todesfälle politischer Gefangener in Tadschikistan. Die Kombination aus:

  • plötzlichem Tod,
  • fehlender medizinischer Versorgung,
  • dokumentierten Foltervorwürfen,
  • politischer Bedeutung des Verstorbenen
  • und dem laufenden Druck internationaler Organisationen

macht eine unabhängige Untersuchung dringend notwendig.

TajNews wird die Entwicklungen weiterhin beobachten und neue Informationen veröffentlichen, sobald sie verfügbar sind.

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