Die Familie Mamadschonow versucht seit nunmehr zwei Jahrzehnten, ihren rechtskräftig zugesprochenen Anteil am tadschikischen Industrieunternehmen „Teppich Kajrakum“ zu erhalten. Trotz eines bestehenden Gerichtsbeschlusses werde das Urteil bis heute nicht umgesetzt – ein Umstand, den die Familie auf den politischen Einfluss ihrer Gegenseite zurückführt. Darüber berichtet Radio Ozodi.
Erbstreit mit dem heutigen Direktor – und ein mächtiges Netzwerk
Der Konflikt besteht zwischen den Erben des verstorbenen Aktionärs Sulton Mamadschonow und dem aktuellen Direktor des Unternehmens, Zafar Asimow. Dieser ist sowohl Sohn des ehemaligen Premierministers Jahjo Asimow als auch Schwiegersohn des amtierenden Premierministers Kochir Rasulzoda.
Nach Angaben der Familie wurde ihnen bereits Anfang der 2000er-Jahre ein Anteil am Unternehmen und an einem Restaurant in der Stadt Guliston gerichtlich zugesprochen. Doch seit dem Tod des Vaters im Jahr 2005 verweigert die Unternehmensführung die Umsetzung des Urteils – mit erheblichen finanziellen Folgen für die Erben.
„Uns wird offen gesagt: Er ist der Schwiegersohn des Premiers“
Die Rechtsvertreterin der Familie, Kholniso Khamidowa, hält das Verhalten des Unternehmens für eine unrechtmäßige Aneignung. Sie betont, dass die Bearbeitung der Beschwerden durch staatliche Stellen regelmäßig an der politischen Stellung ihres Gegners scheitere.
Laut Khamidowa erklärten Beamte wiederholt:
„Ihr Gegner ist der Schwiegersohn eines hochrangigen Regierungsmitglieds. Das ist ein stillschweigendes Argument gegen jegliche Maßnahmen.“
Trotz zahlreicher Schreiben, Anträge und Beschwerden habe die Familie keine wirksame Reaktion staatlicher Behörden erreichen können.
Keine Stellungnahme von der Unternehmensleitung
Journalisten von Radio Ozodi konnten weder von Zafar Asimow noch von anderen Verantwortlichen eine Stellungnahme erhalten. Das Unternehmen „Teppich Kajrakum“ zählt zu den bedeutendsten Industriebetrieben des Landes und war historisch eng mit der Familie Asimow verbunden.
Familienschreiben direkt an den Präsidenten
Nachdem alle Versuche gescheitert seien, die Umsetzung des Gerichtsbeschlusses über reguläre Behörden zu erreichen, wandte sich die Familie schriftlich an den Präsidenten Tadschikistans. Sie baten um ein persönliches Eingreifen und eine Überwachung des Falles.
Parwiz Mamadschonow betont:
„Wir verlangen keine Sonderrechte und keinen neuen Prozess. Wir wollen nur die Umsetzung dessen, was das Gericht bereits anerkannt hat – unseren gesetzlichen Erbanteil und eine Entschädigung für zwei Jahrzehnte ohne die uns zustehenden Zahlungen.“
Internationales Umfeld: Hinweise aus „Dubai Unlocked“
Der Fall erhält zusätzliche Aufmerksamkeit, nachdem der internationale Rechercheverbund OCCRP im Rahmen seines Projekts Dubai Unlocked im Jahr 2024 enthüllte, dass Farangiz Asimowa, Tochter des Premierministers und Ehefrau von Zafar Asimow, Eigentümerin einer Luxusvilla in Dubai ist.
Der Bericht zeigt, dass sie im Jahr 2011 – im Alter von etwa 24 Jahren – eine Immobilie im prestigeträchtigen Stadtteil Meadows erwarb, deren Marktwert 2024 rund 5,4 Millionen US-Dollar betrug. Weder Farangiz Asimowa noch ihr Ehemann oder andere Regierungsvertreter äußerten sich bislang öffentlich zu diesen Informationen.
Ein Beispiel für strukturellen Nepotismus und eingeschränkten Zugang zur Justiz
Der Fall Mamadschonow ist damit weit mehr als ein privater Erbstreit. Er zeigt exemplarisch, wie familiäre Nähe zur politischen Elite in Tadschikistan den Zugang zu rechtsstaatlichen Verfahren beeinträchtigen kann.
Während die eine Seite auf ein gültiges Gerichtsurteil verweist, stützt sich die andere laut Familie auf „das Gewicht eines mächtigen Namens“. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht, das die Grundidee rechtlicher Gleichheit infrage stellt.
Die Mamadschonows stehen seit 20 Jahren ohne ihren juristisch bestätigten Anteil da – ein Zustand, der nach Ansicht vieler Beobachter die grundlegenden Risiken eines Systems verdeutlicht, in dem Nepotismus und politische Vernetzungen oft stärker wirken als bestehende Gesetze.
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