Nach der Tötung des zehnjährigen Kobiljon Alijew, eines Kindes aus Tadschikistan, in einer Schule in der Region Moskau, bereitet die tadschikische Diaspora in Europa eine öffentliche Protestkundgebung in Deutschland vor. Der Fall hat sowohl in Russland als auch international großes Entsetzen ausgelöst und eine breite Debatte über Hasskriminalität, Fremdenfeindlichkeit und die Sicherheit migrantischer Kinder entfacht.
Wer war Kobiljon Alijew?
Kobiljon Alijew war ein zehnjähriger Bürger Tadschikistans, der mit seiner Familie in der Russischen Föderation lebte. Er besuchte die Uspenskaja-Schule im Bezirk Odinzowo (Region Moskau). Seine Mutter, Nilufar Safojewa, arbeitete als Reinigungskraft an derselben Schule. Kobiljon hatte einen jüngeren Bruder, der gemeinsam mit ihm die vierte Klasse besuchte.
Der Vater der Kinder war zuvor verstorben. Die Mutter kam vor etwa vier Jahren nach Russland, um als Arbeitsmigrantin den Lebensunterhalt für ihre Familie zu sichern. Nach Angaben von Nachbarn und Verwandten galt die Familie als ruhig und unauffällig.
Tathergang: Was ist bekannt?
Am 16. Dezember 2025 kam es am Morgen zu einem bewaffneten Angriff in der Schule. Nach offiziellen Angaben der Polizei griff ein 15-jähriger Schüler derselben Schule mit einem Messer zunächst einen Sicherheitsmitarbeiter an, setzte Reizgas ein und attackierte anschließend mehrere Kinder.
Dabei wurde Kobiljon Alijew tödlich verletzt und verstarb noch am Tatort an den Folgen mehrerer Messerstiche.
Nach Informationen russischer Medien und Telegram-Kanäle handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um den 15-jährigen Timofej K., Schüler der neunten Klasse. Er wurde noch am Tatort von Sicherheitskräften festgenommen.
Hinweise auf ein Hassverbrechen
Laut Zeugenaussagen und Videoaufnahmen, die in sozialen Netzwerken kursierten, fragte der Angreifer vor der Tat gezielt Kinder:
„Welche Nationalität habt ihr?“
Medien berichten, dass der Täter während des Angriffs rassistische Beleidigungen äußerte. Zudem trug er einen Helm mit nationalsozialistischen Parolen sowie ein T-Shirt mit der Aufschrift „No Lives Matter“, einem Slogan extremistischer Online-Gruppen.
Weiterhin wurde bekannt, dass der Täter zuvor ein sogenanntes Manifest mit dem Titel „Mein Zorn“ verbreitet hatte, in dem er zu Gewalt aufrief und sich gegen Muslime, Juden, Migranten, Liberale und andere Gruppen richtete.
Der Untersuchungsausschuss des Ermittlungskomitees der Russischen Föderation leitete ein Strafverfahren wegen Mordes und versuchten Mordes ein. Der Verdächtige legte nach offiziellen Angaben ein Geständnis ab.
Gleichzeitig weisen Medien wie Meduza darauf hin, dass die russischen Behörden den Tatbestand eines Hassverbrechens bislang nicht offiziell benannt haben.
Reaktion Tadschikistans
Das Außenministerium Tadschikistans verurteilte die Tat scharf und erklärte, es handle sich um ein Verbrechen aus nationalem Hassmotiv. Der russische Botschafter in Duschanbe wurde einbestellt und erhielt eine diplomatische Note mit der Forderung nach einer
„sofortigen, objektiven und unparteiischen Untersuchung“.
Auch der tadschikische Innenminister Ramazon Rachimzoda sowie der Sekretär des Sicherheitsrates Tadschikistans, Jussuf Rachmon, führten Gespräche mit russischen Amtskollegen. Sie betonten die Notwendigkeit, Minderjährige wirksam zu schützen und extremistischer Ideologie entschieden entgegenzutreten.
Kein Einzelfall
Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen und Medien wurden in den vergangenen 22 Jahren mindestens sechs tadschikische Kinder in Russland Opfer tödlicher Gewalt, bei der ein fremdenfeindliches Motiv festgestellt oder vermutet wurde. Experten sehen darin das Ergebnis einer zunehmenden Migrantenfeindlichkeit und mangelnder Strafverfolgung von Hasskriminalität.
Protestkundgebung in Bonn
Vor diesem Hintergrund rufen Vertreter der tadschikischen Diaspora zu einer friedlichen Protestkundgebung in Deutschland auf.
Die Aktion findet mit Unterstützung der politischen Bewegung „Gruppe 24“ sowie tadschikischer Migranten in Europa statt und versteht sich als zivilgesellschaftliche Initiative, unabhängig von Medienorganisationen.
Ort und Zeit:
- Datum: Sonntag, 21. Dezember 2025
- Uhrzeit: 12:00–14:00 Uhr
- Ort: Bonn, gegenüber dem Generalkonsulat der Russischen Föderation
- Adresse: Waldstraße 42, 53177 Bonn (Ecke Belderbuschstraße)
Ziel der Kundgebung ist es, der ermordeten Kinder zu gedenken, Solidarität mit der Familie von Kobiljon Alijew zu zeigen und auf die Gefahren von Rassismus, Extremismus und Hassgewalt aufmerksam zu machen.
Die Veranstalter betonen, dass alle Landsleute unabhängig von Religion, politischen Ansichten oder Weltanschauung zur Teilnahme eingeladen sind.
Ausblick
Der Fall Kobiljon Alijew hat sich zu einem Symbol für die Verletzlichkeit migrantischer Kinder entwickelt. Vertreter der Diaspora fordern, dass die Tat nicht relativiert oder verschwiegen wird und dass Hassverbrechen klar benannt und konsequent verfolgt werden.
TajNews wird die Entwicklungen rund um die Ermittlungen, die Reaktionen der Behörden und die Proteste weiterhin aufmerksam begleiten.
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